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Quarantäne-Blues

Frau Hofmann* meldet sich für ein Online-Coaching an, da in Deutschland die Coronamassnahmen noch viel strenger sind als in der Schweiz. Bei ihnen ist sogar die Kilometerzahl begrenzt, wie weit sie sich bewegen dürfen.

Was ihr jedoch grössere Sorgen bereitet, ist, wie sie das Homeschooling ihrer Töchtern mit ihrer Arbeit unter einen Hut bringen soll. Sie schildert es so:

- Es ärgert mich, dass ich nichts dagegen tun kann. Meine Töchter würden gerne sich mit Freundinnen treffen und auch lieber in die Schule gehen und nun müssen sie wieder stundenlang vor dem Laptop sitzen.

- Das gleichgültig hinnehmen könne sie nicht.

- Am liebsten würde sie alles aus dem Weg räumen für die Kinder, kann aber nichts tun.

- Sie habe Angst, dass die Schere in der Schule immer mehr auseinanderklafft und ihre Töchter den Lernstoff verpassen.

Wenn man nun diese Stresspunkte aber in ein anderes Licht setzt, tun sich plötzlich neue Wege auf.

  • Ängstlich sein kann auch bedeuten, etwas vorsichtiger angehen, nicht gleich darauf losschiessen. Bezieht man das jetzt auf den Lernstoff verpassen, beobachtet sie so vielleicht das Lernverhalten ihrer Töchter genauer und kann ihnen so ganz andere Hilfestellung bieten, damit sie besser lernen können. Z.B. mit Bewegungspausen, einem nett zubereiteten Snack oder einer feinen Tasse Tee.
  • Alles aus dem Weg räumen für die Kinder. Was aber passiert, wenn man das nicht kann? Da können neue Ideen entstehen. Die Kinder lernen sich bei ungewohnten Situationen zurecht zufinden. Das zeigt auch, wie flexibel man Probleme angehen kann. Und Kinder sind sehr kreativ, wenn man sie lässt.
  • Sie kann es nicht gleichgültig hinnehmen. Und wie ist es, wenn man das kann? Gleichgültig zu sein, gibt einem Thema nicht so viel Gewicht. Es verhindert, dass man sich in was hineinsteigert. Also wenn sie es von dem Aspekt her sehen kann, es ist nun eben so, was soll ich mich aufregen, nützt ja eh nichts. Dann kommt eine Gelassenheit auf, die für die Psyche viel besser ist.
  • Sich ärgern, weil man nichts tun kann, löst viel Power aus. Diesen Power nun in einen positiven Aspekt umwandeln, würde bedeuten: Ich packe das trotzdem an und schau, dass wir daraus das Beste machen können. Z.B. Auflockerungen mit Spiele machen. Der Stundenplan von der Schule ist zwar Online vorgegeben, aber auch da gibt es mal Pausen, die man kreativ nutzen kann.

Frau Hofmann beginnt zu strahlen und sagt, so klingt alles nicht mehr so bedrohlich. Und sie wisse gar nicht mehr so richtig, was für ein Thema sie eigentlich hatte. Sie hätte das Gefühl, ein grosser Stein wurde mir weggenommen.